Die Škoda Rechenzentren und ihre faszinierende Technik

Die Škoda Rechenzentren und ihre faszinierende Technik
24. 7. 2024 Unternehmen

Vor 55 Jahren wurde der allererste Computer bei Škoda installiert. Und es gibt wohl kaum einen Bereich, der sich seitdem dynamischer entwickelt hat. Heute verfügt der tschechische Automobilhersteller über zwei hochmoderne Rechenzentren in Mladá Boleslav.

Die Rechenzentren sorgen für den digitalen Herzschlag bei Škoda: von den E-Mails aller Mitarbeiter bis hin zu den Berechnungen in Abteilungen wie der Technischen Entwicklung und der Produktionskontrolle – alles läuft über die hier versammelten Serversysteme. Deshalb verfügt Škoda über zwei Hauptrechenzentren: Damit die für den Betrieb des Unternehmens wichtigen Aufgaben doppelt ausgeführt werden. Denn dies steigert die Sicherheit und minimiert die Auswirkungen eventueller Ausfälle.

Hier arbeitet die SAP-Hana-Datenbank.

Das gilt zum einen für die Maschinen, auf denen die SAP-Hana-Datenbank läuft. Sie verfügen über 16 Terabyte (TB) Arbeitsspeicher. Über diesen läuft auch die gesamte Datenbank, was eine schnelle Reaktion ermöglicht. Nach Angaben von Škoda IT-Verantwortlichen laufen in beiden Rechenzentren 1.331 Anwendungen und Systeme. Zumindest war diese Zahl noch Ende Mai 2024 aktuell – inzwischen dürften weitere Systeme und Anwendungen hinzugekommen sein.

Luftgekühlt

In den Rechenzentren geht es erstaunlich ruhig zu. „Wir steuern das Rechenzentrum aus der Ferne, sodass normalerweise keine Mitarbeiter hier sein müssen“, erklärt Luboš Patka, Leiter der IT-Services bei Škoda. „Natürlich kommen die Mitarbeiter hin und wieder, wenn Wartungsarbeiten anstehen, Ausfälle behoben oder neue Technologien installiert werden müssen.“ Und eben diese Technologien hier sind wirklich faszinierend, selbst für einen Laien.

Patka_DSC3876__0addd003Luboš Patka
 Leiter der IT-Abteilung bei Škoda

Das Rechenzentrum verfügt über insgesamt sechs Hallen, von denen jede über sechs Klimaanlagen mit einer Leistung von 350 Kilowatt (kW) verfügt. Die Kühlung der Luft erfolgt zum einen durch Luftströmung. Dieses sogenannte „Free Cooling“ erfordert keine zusätzliche Kühlung. Zum anderen werden drei riesige Turbo-Kompressoren zur Kühlung eingesetzt, die jeweils eine Leistung von 950 kW haben. Wo es möglich war, wurde die Kühlung von 21 °C auf 23 °C umgestellt. „Das hilft, den Energieverbrauch und die Emissionen zu senken“, betont Petr Vomáčka, Koordinator des Rechenzentrums. „Für die Zukunft ziehen wir eine weitere leichte Erhöhung der Temperatur in Betracht. Aber wir müssen sorgfältig planen, welche Technologie mit solchen Temperaturen umgehen kann.“

DSC4388__9e468db7Ein Gang in einem der Rechenzentren.

Neben der Luftzufuhr (die durch den doppelten Boden verläuft) gibt es in den Datenhallen auch Leitungen für ein Löschmittel. Dabei handelt es sich um ein spezielles Gas, das eine geringe Menge Sauerstoff enthält, die dem Sauerstoffgehalt in einer Höhe von 6.000 Metern entspricht. „Das bedeutet, dass die Menschen das Gas einatmen und im Falle eines Brandes sicher evakuiert werden können. Aber der Sauerstoffgehalt reicht nicht aus, um das Feuer weiter brennen zu lassen“, erklärt Vomáčka.

Vomacka_DSC4424_-1_27b71757Petr Vomáčka
Koordinator der Škoda Rechenzentren

Schwungrad als Reservesystem

Jedes Rechenzentrum verfügt über jeweils zwei Notstromaggregate – sowohl technisch als auch optisch höchst beeindruckende Geräte. Sie garantieren dynamische unterbrechungsfreie Stromversorgungen, kurz DUPS (Dynamic Uninterrupted Power Supplies) genannt. Dieselgeneratoren sind lediglich ein Teil dieser faszinierenden Maschinen, die ausschließlich bei einem Stromausfall oder einer großen Schwankung im Netz anspringen. Neben den Motoren gibt es einen riesigen Wechselstromgenerator und ein „kinetisches Modul“, mit anderen Worten: ein riesiges Schwungrad.

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                        Das Zentrum verfügt über eine eigene Notstromversorgung, falls der Strom ausfällt.

 

Der Wechselstromgenerator dreht sich ständig mit gleichmäßiger Geschwindigkeit und filtert jede Instabilität aus dem Netz heraus. „Diese Instabilität war in den letzten Jahren beträchtlich, so dass eine Lösung wie diese notwendig ist“, sagt Patka über die Art und Weise, wie die Technologien betrieben werden. Das Schwungrad kommt im Falle eines Stromausfalls ins Spiel: Wenn der Strom aus dem Netz nicht mehr in den Generator fließt, kann das Schwungrad ihn etwa acht Sekunden lang mit unveränderter Drehzahl weiterdrehen. Innerhalb von 1,5 Sekunden schaltet sich der Dieselgenerator automatisch ein und übernimmt die Kontrolle über das Rotieren des Generators und damit die Stromversorgung.

Wassergekühlte Supercomputer und "das gute alte Band"

All diese Technik soll natürlich dafür sorgen, dass die lokalen Server problemlos laufen. Die Rechenzentren verfügen über die neuesten wassergekühlten Supercomputer von HPE Cray. Diese können anspruchsvollste Berechnungen durchführen wie beispielsweise virtuelle Aerodynamiktests und Computersimulationen von Crash-Tests. Die Supercomputer mit einer Gesamtleistungsaufnahme von 1,2 Megawatt (MW) sind in einem speziellen Raum untergebracht, der eine direkte Wasserkühlung der Server ermöglicht. In den Datenhallen stehen insgesamt etwa 4.300 physische Server. Rechnet man die virtuellen Server hinzu, sind es sogar 8.689. Außerdem gibt es 40 Disk-Arrays mit einer Kapazität von 60 Petabyte (PT). Zur Info: Ein PT entspricht 1.024 TB oder 1.048.576 Gigabyte (GB).

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Die Daten werden hier in verschiedenen Formen gespeichert: schnelle SSD-Festplatten für die sofortige Speicherung und Aufbewahrung von Daten, auf die schnell und kontinuierlich zugegriffen werden muss. Außerdem gibt es Spinning-Disk-Arrays sowie vier große Band-Backup-Stationen. „Das Band ist nach wie vor eine sehr effiziente und zuverlässige Sicherungsmethode.“, erklärt Petr Vomáčka. „Wir verwenden es für ältere Daten, die nur noch selten benötigt werden. Zum Beispiel speichern wir die Ergebnisse virtueller Simulationen älterer Automodelle auf Band. Wenn jemand diese Daten benötigt, zum Beispiel um die Ergebnisse zu überprüfen und mit denen eines in der Entwicklung befindlichen Autos zu vergleichen, ist ein wenig Geduld gefragt.“

Das Škoda Rechenzentrum

Das moderne Rechenzentrum setzt eine lange IT-Tradition bei Škoda fort, die vor fast 55 Jahren begann, als der erste Computer bei Škoda in Betrieb genommen wurde. Heute arbeiten hier alle Systeme, die die Produktion steuern, obwohl das Werk in Kvasiny wegen der Verzögerungen bei der Kommunikation über größere Entfernungen für einige spezifische Produktionsaufgaben über eigene Steuerungssysteme verfügt. Die Rechenzentren in Mladá Boleslav übernehmen auch den Betrieb des SAP-Zentrums für die Gesellschaften der Volkswagen-Gruppe und speichern zum Beispiel die Handbücher für alle Fahrzeuge. Die Kapazität der dortigen Supercomputer soll in naher Zukunft auch in der gesamten Unternehmensgruppe genutzt werden. Das Rechenzentrum im Stammwerk des tschechischen Automobilherstellers ist das jüngere des Hauptpaares: Die Arbeiten an der Planung begannen 2008, der Bau im Jahr 2011. Das Gebäude hat eine sehr stabile Struktur, die einem kleinen Flugzeugabsturz standhalten kann, verfügt über eine spezielle Abschirmung und Schalldämmung für die Klimaanlage sowie getrennte Abschnitte für die Datenverarbeitung, die Kühlluftaufbereitung und die Notstromgeneratoren.

Škoda-Rechenzentren: Fakten und Zahlen

erstrecken sich auf über 13,000 m2 Fläche in zwei Gebäuden

verarbeiten 60 PB an Daten pro Jahr

jährlicher Wasserverbrauch von 603 Litern Wasser

die installierte Leistung liegt derzeit bei fast 4 MW

Weitere interessante Informationen und Daten zur Offenlegungspflicht finden Sie hier.